Nachricht

Marktkommentar GAM: Argentinische Aktien gewinnen mittelfristig an Attraktivität

Booms und dramatische Einbrüche haben die Wirtschaftsentwicklung Argentiniens in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Um die dringend benötigte Konjunkturerholung anzustoßen, griff die Regierung von Mauricio Macri ab dem Jahr 2015 mit intensiven Interventionen in die Finanzmärkte ein. Die Bemühungen scheinen von Erfolg gekrönt, denn in Kürze dürften argentinische Aktien wieder eine attraktive Kaufgelegenheit darstellen. Dieser Meinung ist Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM.

„In der zweiten Hälfte des Jahres 2017 dürften die Aktienbewertungen in Argentinien bis zu den Halbzeitwahlen im Oktober konsolidieren", so Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM. "Dadurch wird ein längerfristiger Einstiegspunkt für das Jahr 2018 geschaffen. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte bei etwa drei Prozent verharren und die Devisenreserven sollten weiterhin bei über 40 Milliarden US-Dollar liegen. Die fiskalischen Ziele könnten im Wahlkampf durchaus gelockert werden. 2018 dürften die Zügel jedoch wieder gestrafft werden, da die Regierung langfristig einen Primärüberschuss anstrebt.“

Unsicherheit auf kurze Sicht
Kurzfristig lässt sich die Marktrichtung Love zufolge allerdings schwer vorhersagen, insbesondere nach der kräftigen Rally zyklischer Aktien im Januar. „Argentinische Aktien sind derzeit vor allem aufgrund der teuren Bewertungen im Bankensektor und der breiten Rally im Versorgungssektor nach der Überprüfung der Tarife unattraktiv“, so Love. Vor dem Hintergrund der Halbzeitwahlen im Oktober und einer generell sehr wechselhaften politischen Landschaft ließen sich die Anlagechancen auf kurze Sicht besonders schwer einschätzen.

„Die Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex, die Kreditverfügbarkeit und das BIP-Wachstum sind wichtige Indikatoren, die man im Auge behalten sollte. Falls sie bis zum Ende des ersten Quartals negativ werden, könnte der Großteil der spektakulären Gewinne des Marktes im Zuge von Gewinnmitnahmen verpuffen. Auf längere Sicht würden wir einen solchen Kursrückgang für Käufe nutzen, da die Regierung nach den Halbzeitwahlen im Oktober noch für zwei Jahre im Amt sein wird“, erklärt Love.

Bedeutende Fortschritte im politischen und wirtschaftlichen Reformprozess
Die derzeitige Regierung habe bereits viel erreicht, so der Experte. Die erbrachten Leistungen umfassten Reformen, Maßnahmen zur Wachstumsstärkung und Verbesserungen der Kapitalbilanz. Zu den bedeutendsten Erfolgen zählten die Beilegung der Probleme Argentiniens mit Staatsanleihen in der Hand von sogenannten Holdout-Gläubigern, Maßnahmen gegen Ungleichgewichte bei den Tarifen im Versorgungssektor und die Freigabe der Währung.

„Darüber hinaus hat die Regierung Marci Kapitalkontrollen aufgehoben und damit die Aussicht Argentiniens auf eine Reklassifizierung als ‚Schwellenland‘ verbessert“, erklärt Love. Infolge der Wiederaufnahme in die MSCI-Indizes könnte Argentinien einen Zufluss von einer Milliarde US-Dollar verzeichnen. „Die Reallöhne sind gestiegen, und mittlerweile lässt sich eine deutliche Erholung der Investitionen erkennen. Diese Faktoren sollten den Konsum ankurbeln. Deshalb rechnen wir in diesem Jahr mit einer Konjunkturerholung.“

In den kommenden Monaten dürften sich günstige Kaufgelegenheiten ergeben
Trotz der nachvollziehbaren Neigung mancher Anleger, noch vor den Halbzeitwahlen in Argentinien Gewinne mitzunehmen, behält Love die beiden wichtigsten Positionen vorerst bei. Einen Rückschlag aufgrund von Umfrageergebnissen zugunsten von populistischen Parteien, eine kurzfristige Verlangsamung des BIP-Wachstums oder ein Anstieg der Konsumentenpreisinflation würde der Schwellenländer-Experte zum Kauf von argentinischen Aktien nutzen. Love: „Wir gehen davon aus, dass sich zur Mitte des Jahres 2017 vor den Wahlen im Oktober entsprechende Einstiegspunkte ergeben werden.“

Quelle: GAM