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Marktkommentar GAM: Die Emerging-Markets-Rally geht weiter

Sowohl Emerging-Markets-Anleihen als auch -Aktien haben sich im bisherigen Jahresverlauf sehr gut entwickelt. Zu Recht stellen sich in Schwellenmärkte investierte Anleger die Frage, ob und wie lange diese Rally fortgeführt werden kann – immerhin sind die Bewertungen nicht mehr mit jenen von Anfang 2016 vergleichbar. Nach Ansicht von Mike Biggs, Investment Manager bei GAM, stehen die Chancen dennoch gut, dass die Rally weitergeht.

„Getragen vom stärker werdenden Wachstum in den Emerging Markets könnte das makroökonomische Umfeld für Emerging-Markets-Anlagen noch zwei weitere Jahre lang positiv bleiben“, so Mike Biggs, Investment Manager bei GAM. Dies zumindest zeigten die Entwicklungen des Kreditzyklus in den Schwellenländern. „Es ist wichtig zu verstehen, dass der Konjunkturzyklus nicht von einem hohem oder niedrigem Kreditwachstum angetrieben wird, sondern von dessen Entwicklung, sprich: ob es steigt oder fällt. Die Veränderung des Kreditwachstums wird als Kreditimpuls bezeichnet.“

Kreditimpuls legt zu
Von 2011 bis Mitte 2016 sank das Kreditwachstum in den Emerging Markets. Der Kreditimpuls war negativ und das BIP-Wachstum fiel schwach aus. Obwohl sich das Kreditwachstum nun stabilisiert, bleibt es absolut gesehen jedoch gering. Der Konsens bezüglich des Wachstums in den Schwellenländern ist daher zurückhaltend. „Allerdings dürfte sich als Folge der Stabilisierung des Kreditwachstums auch der Kreditimpuls bessern. Folglich erwarten wir, dass das BIP-Wachstum in den Schwellenländern positiv überraschen und im dritten Quartal auf vier Prozent zulegen wird“, so Biggs.

Dieses günstige gesamtwirtschaftliche Umfeld könne noch geraume Zeit anhalten. Das Kreditwachstum in den Schwellenländern liege derzeit bei rund fünf Prozent und damit deutlich unter dem nominalen BIP-Wachstum von zehn Prozent. „Obwohl der Verschuldungsgrad in den Schwellenländern derzeit sinkt, dürfte diese Entwicklung nicht allzu lange anhalten", so der Experte. "Wir gehen davon aus, dass das Kreditwachstum in den Schwellenländern mit der Zeit auf zehn Prozent steigen wird. Dies könnte der Wirtschaftsaktivität in den Emerging Markets Auftrieb geben – eine Situation, die zumindest noch in den nächsten beiden Jahren Bestand haben könnte.“

Positives BIP-Wachstum
Seit Anfang 2016 seien in den Emerging Markets Anzeichen einer Erholung in Form eines stark steigenden Autoabsatzes sowie steigender Einkaufsmanagerindizes zu erkennen. Diese Entwicklung mache sich nun auch in den offiziellen BIP-Zahlen bemerkbar: „Das Wachstum in den Schwellenländern nimmt sowohl absolut als auch im Vergleich zu den Industrieländern zu“, erklärt Biggs fort. Dieser Trend sei vor allem in Brasilien und Russland zu erkennen.

„In Brasilien sank das Kreditwachstum im Jahr 2016 auf minus fünf Prozent. Mit der allmählichen Stabilisierung des Kreditwachstums legt auch der Kreditimpuls zu. Brasilien hat bereits zwei Quartale mit einem positiven BIP-Wachstum verzeichnet", so Biggs. "Wir erwarten, dass die zweite Jahreshälfte noch besser ausfallen wird. In Russland ist der Prozess bereits weiter vorangeschritten – hier wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal.“

Risiken im Markt bereits eingepreist
Dem positiven Ausblick stünden jedoch auch Risiken gegenüber, unter anderem eine harte Landung in China, negative handelspolitische Überraschungen seitens der USA oder eine Stärkephase des US-Dollars. „Unserer Meinung nach ist sich der Markt dieser Risiken durchaus bewusst und hat diese bereits angemessen eingepreist. Weniger gut verstanden wird hingegen die Wirkung des Kreditzyklus. Deshalb glauben wir, dass die positiven Wachstumsüberraschungen noch für geraume Zeit eine Rally bei Emerging-Markets-Anlagen antreiben können“, schließt Biggs.

Quelle: GAM