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Marktkommentar T. Rowe Price: Schwellenländer lassen sich nicht mehr über einen Kamm scheren

Auf der Suche nach neuen Investments rücken die Emerging Markets immer wieder in das Blickfeld von Anlegern. Doch die Frage, ob Schwellenländer im Portfolio über- oder untergewichtet werden sollten, und welche Tendenzen die Wirtschaftsdaten aufzeigen, lässt sich so allgemein nicht mehr beantworten.

„Der Begriff ‚Emerging Markets‘ dient heute eher der Benchmark-Klassifizierung, als dass er eine gemeinsame wirtschaftliche Realität beschreibt“, sagt Scott Berg, Portfoliomanager der Global Growth Equity Strategy von T. Rowe Price. Die Zeiten, als die Wirtschaftsdaten der Schwellenländer noch auf einem hohen Niveau miteinander korrelierten, seien inzwischen vorbei. Stattdessen müssten Investoren verstärkt zwischen aufstrebenden Wirtschaftsregionen differenzieren.

Unterschiedliche Entwicklungen in Ländern und Regionen
Während das reale Bruttoinlandsprodukt von Industriestaaten wie Australien, den USA oder auch England und Frankreich vergleichsweise nahe beieinanderliege, gebe es bei den Schwellenländern eine größere Bandbreite: Indien etwa weist ein sehr starkes und andauerndes Wachstum auf, während Brasilien in einer signifikanten Rezession steckt.

Ebenfalls ein extremes Beispiel für eine unterschiedliche Entwicklung innerhalb der Schwellenländer ist Portfoliomanager Berg zufolge der Vergleich von Russland und den Philippinen: Die russische Wirtschaft und der inländische Konsum haben sich in jüngster Zeit schwach entwickelt, gepaart mit einer stark alternden Gesellschaft – ähnlich der in Japan. Die Philippinen dagegen, die ebenso wie Russland als politisch risikoreiches Schwellenland gelten, profitieren derzeit von einem starken konsumbedingten Wachstum und leiden mangels natürlicher Ressourcen auch nicht unter schwachen Rohstoffpreisen. Dafür verfügen sie über eine stetig wachsende, erwerbstätige Bevölkerungsschicht, was langfristig neben dem Produktionswachstum als ein positiver Faktor für das Wirtschaftswachstum gilt.

Die Gegensätze, so der Portfoliomanager ließen sich beliebig weiter ausführen: In Brasilien und Südafrika zum Beispiel seien strukturelle Reformen ausgeblieben. Dagegen hätten die Regierungen in Indien und Indonesien in den vergangenen Jahren große Anstrengungen in dieser Hinsicht unternommen. „Der Markt liebt Bezeichnungen wie die 'Fragilen Fünf' oder die 'BRICs', doch diese können der Komplexität der Schwellenländer nicht mehr gerecht werden“, erklärt Berg.

Darüber hinaus sollten interessierte Investoren nicht nur Länder und Regionen genauer betrachten sowie vergleichen, auch in den unterschiedlichen Sektoren und Industriezweigen gebe es große Unterschiede, wie ein Blick auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne zeige. „Rohstoffabhängige Industrien mussten in den vergangenen Jahren einen heftigen Gegenwind verkraften. Andere Unternehmen wiederum profitierten von den niedrigen Rohstoffpreisen und konnten ihre Gewinnmargen steigern.“

„Die Komplexität der neuen Welt der Emerging Markets ist die große Herausforderung für Investoren“, fasst Berg zusammen. Aufgrund der überdurchschnittlichen Volatilität von Schwellenländern im Vergleich zu den Industrieländern rät er zu langfristigen Investments. „Früher haben Investoren gefragt: ‚Sind die Emerging Markets attraktiv oder nicht.‘ Heute sollten sie fragen: ‚Wo in den Schwellenländern gibt es Veränderungen und damit einhergehend Chancen.‘“

Quelle: T. Rowe Price