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Marktkommentar T. Rowe Price: Stärkstes Halbjahr für Schwellenländer seit Finanzkrise

Die Emerging Markets haben ihren Aufwärtstrend im Mai und Juni fortgesetzt. Die allgemein verbreitete Ansicht, dass der US-Dollar stärker werden würde und die Schwellenländer zudem mit den Handelsrestriktionen von US-Präsident Trump zu kämpfen hätten, wurde nicht Realität.

„Nur die schwächelnden Märkte in Brasilien und Russland passen nicht in die Entwicklung“, sagt Leigh Innes, Portfolio Specialist Emerging Markets und Frontier Markets bei T. Rowe Price. In Brasilien ist die politische Volatilität zurückgekehrt, nachdem Präsident Temer mit einem Korruptionsskandal in Verbindung gebracht wurde. Das bedeutet einen Rückschritt im Prozess, einige entscheidenden Reformen umzusetzen. Der russische Markt wurde durch schwache Öl-Kurse und schärfere Sanktionen geschwächt.

„In China sehen wir den Konsum noch stabil“, sagt Innes. „Insbesondere einige starke Marken Franchises in verschiedenen Bereichen gewinnen weiter an Marktanteilen.“ Zudem hat der starke Immobilienmarkt während des vergangenen Jahres einige Aktientitel beflügelt.

Langfristig Reformen in Pakistan nötig
„Bei den Frontier Markets herrscht wie üblich viel Bewegung“, sagt Innes. Pakistan beispielsweise zeigt eine positive Entwicklung: Bedeutende Verbesserungen des ökonomischen und politischen Hintergrundes sowie der Sicherheitslage bedeuten, dass eine relativ volatile Umgebung sich zu einem Rahmen entwickelt hat, in dem gut geführte Unternehmen florieren können. „Die Wachstumsrate des BIP hat weiter Fahrt aufgenommen und Pakistan ist aktuell auf dem niedrigsten Inflations- und Zinsniveau seit Generationen, während die Währung relativ stabil ist.“

Gleichzeitig ist die politische Lage stabil, mit einer Regierung, die zum ersten Mal seit der Revolution vor fast 70 Jahren eine komplette Legislaturperiode lang an der Macht blieb. „Pakistan war in den vergangenen Jahren zwar ein gutes Investment, aber es bilden sich sowohl politische als auch ökonomische Risiken“, sagt Innes. „Langfristig sind weitere Reformen und Entwicklung nötig um Pakistan wirklich zu einem ‚asiatischen Tiger‘ werden zu lassen.“

Ähnlich ist die Situation in Saudi-Arabien, dessen Potenzial gewaltig ist, wo aber auch Veränderungen nötig sind. „Der Grund für Optimismus ist, dass Saudi-Arabien bei weitem der größte Markt im Nahen Osten ist“, sagt Innes. Mehr als 165 Aktientitel sind gelistet, die Marktkapitalisierung liegt schätzungsweise bei 530 Milliarden US-Dollar und der tägliche Handel beträgt mittlerweile bis zu vier Milliarden. „Was Größe und Liquidität angeht übertrifft der saudische Aktienmarkt die Märkte aller anderen Staaten in der Region.“

Zudem ist er diversifizierter, weder der Energie- noch der Finanzsektor bestimmen den Index. Jedoch verlangsamt sich die Wirtschaft aufgrund niedriger Ölpreise, was den Druck auf das Haushaltsdefizit, internationale Reserven und Liquidität steigen lässt. „Das Land muss seine Wirtschaft noch unabhängiger von Öl machen“, sagt Innes. „Die Vision 2030, die vergangenes Jahr vorgestellt wurde, lässt hoffen, dass das Königreich die Notwendigkeit erkannt hat, auch andere Wirtschaftsbereiche zu entwickeln.“

Georgiens beeindrucke Wandlung
„Georgien befindet sich auf dem richtigen Weg“, sagt Portfolio-Specialist Innes. „Das Land hat eine reformorientierte Regierung, die liberale und marktfreundliche Reformen stabil umsetzt, und ein voraussichtliches hohes Wachstum des BIP, das noch auf einem niedrigen Niveau ist.“

War Georgien noch in den 90ern eines der korruptesten Länder, hat es eine beeindruckende Transformation hinter sich und nimmt im globalen Vergleich eine sehr gute Position ein, was ökonomische Freiheit und eine niedrige Kriminalitätsrate angeht. 2015 und 2016 verlangsamte sich zwar die Wirtschaft der Öl-abhängigen Nachbarstaaten und wichtigen Handelspartner Georgiens, was das Land vor Herausforderungen stellte. Aber aktuell nimmt Georgiens Entwicklung erneut an Geschwindigkeit auf.

Quelle: T. Rowe Price