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Marktkommentar T. Rowe Price: US-Dollar - Alle gegen Einen

Unsicherheiten um die US-Regierung um Präsident Donald Trump und weiterhin niedrige Inflationsraten haben den Dollar im laufenden Jahr auf Talfahrt geschickt – zu Unrecht schätzen die Experten des Vermögensverwalters T. Rowe Price. Sie sehen gute Chancen für ein Comeback der US-Währung.

„Es gibt im Moment sicherlich keinen eindeutigen Faktor, der dem Dollar kurzfristig Rückenwind verleihen könnten“, beschreibt Arif Husain, Portfolio-Manager und Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price die Situation. „Aber wenn sich die Debatte um die Handlungsfähigkeit der US-Regierung und Präsident Donald Trump gelegt hat, wäre eine schnelle Erholung alles andere als unwahrscheinlich.“

Der Anlageexperte erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Devisenmärkte politisch oder makroökonomisch relevante Entwicklungen unmittelbar in den Austauschverhältnissen berücksichtigen. „Jeder Schritt, den Trump macht, wirtschaftsfreundliche Projekte anzugehen und politisch durchzusetzen, wird sich schnell in höheren Dollarkursen niederschlagen“, ist daher Husain überzeugt.

Ihm zufolge sind die Unsicherheiten rund um die US-Regierung unter dem neuen Präsidenten Trump und dessen erfolglosen Versuche wichtige Vorhaben wie etwa eine Steuerreform auf den Weg zu bringen, der Hauptgrund dafür, warum der Dollar unter Druck geraten ist. Von ihrem Hoch gegenüber dem Euro im vergangenen Dezember hat die US-Valuta rund 15 Prozent an Wert verloren, gegenüber dem japanischen Yen sind es auf Jahresbasis gesehen rund acht Prozent.

„Bis heute ist es Trump noch nicht gelungen, einen politischen Wechsel einzuleiten“, sagt der Portfolio-Manager. „Wenn überhaupt werden Themen wie niedrigere Steuern oder höhere Infrastrukturinvestitionen erst gegen Ende des Jahres angepackt. Der fiskalpolitische Impuls, der daraus zu erwarten ist, wird sich also frühestens im kommenden Jahr bemerkbar machen.“

Dazu kommt, dass der Dollar nach Einschätzung der T.-Rowe-Price-Experten unter genau den Faktoren zu leiden hat, von denen auf der anderen Seite des Atlantiks der Euro profitiert. „Jetzt wird es spannend sein zu beobachten, wie die politischen Entscheidungsträger in Europa zunehmend in Sorge über eine fortgesetzte Schwäche des Dollars geraten, weil sie fürchten, die wirtschaftliche Erholung innerhalb der Eurozone könne dadurch ins Stocken geraten“, so Husain.

Gegenwind hat der Dollar nach Ansicht der US-Vermögensexperten aber auch aus fundamentalen Gründen: Nach einem schwachen Start rechnen sie damit, dass die US-Wirtschaft im laufenden Jahr um etwa zwei Prozent wachsen wird. „Die weiterhin schwache Inflation ist einer der Hauptbelastungsfaktoren für den Dollar“, glaubt Husain. „Denn damit mehren sich die Zweifel, dass die Fed die letzte ihrer drei für dieses Jahr angekündigten Zinserhöhungen tatsächlich vornehmen wird.“ Bislang preisen die Akteure an den Kapitalmärkten keinen weiteren Zinsschritt mehr in diesem Jahr ein. „Aber ich würde das nicht gänzlich ausschließen angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaft unter ihrem Potenzialwachstum geblieben ist und die Inflation erkennbar Boden gefunden hat.“

Unter normalen Umständen müssten sich die Unterschiede in puncto Wirtschaftswachstum und Zinsen zwischen den USA und anderen Industrieländern stützend auf den US-Dollar auswirken. „Doch diese Zusammenhänge haben sich momentan aufgelöst“, beobachtet Husain. „Es scheint, als habe sich ein Negativsturm über dem Dollar zusammengebraut: Seine Vorteile kommen nicht zur Geltung, gleichzeitig sind die ursprünglich hohen Erwartungen an die Trump-Regierungen in Richtung einer wachstumsfördernden Politik auf einem historischem Tiefpunkt.“ Zusätzlich schwinden die Hoffnungen auf weitere Zinserhöhung der Fed. „Doch angesichts der Auswirkungen eines anhaltend schwachen Dollars auf die US-Inflation und das Wachstum der Weltwirtschaft ist es allerdings fraglich, ob diese Entwicklung so weitergehen wird.“

Nicht vergessen werden sollte nach Ansicht von Husain, dass Anleger dazu neigen, in unsicheren Zeiten traditionell in die US-Währung auszuweichen: „In Krisenfällen bleibt der US-Dollar das Mittel der Wahl bei Investoren – und diese Stellung als sicherer Hafen ist weiterhin intakt.“

Quelle: T. Rowe Price